(Fast) alles über dein Riehl

 Riehler Geschichte(n) 2017

Wochenmarkt in Riehl - 2017-07


Marktleben um 1960

Anfang der 1930er eröffnete der Wochenmarkt auf dem Riehler Gürtel zwischen Stammheimer Straße und Amsterdamer Straße. Er musste aber während der Kriegszeit geschlossen werden. In den ersten Jahren nach dem Krieg blühte der Schwarzmarkt, so dass an einen geordneten Handel nicht zu denken war. Erst nach der Währungsreform 1948 konnte der „weiße Markt“ in Riehl am 6.7.1948 wieder seinen regulären Betrieb aufnehmen und ist bis heute mittwochs und samstags ein beliebtes Einkaufsziel.

Etwa 70 Händler bieten Gemüse, Obst, Backwaren, Fleischwaren, Blumen, Gewürze, Haushaltswaren, Kleidung, Pflanzen und mehr an. Auch hier macht sich der Strukturwandel im Einzelhandel bemerkbar. Die Zahl der Händler nimmt ab, da die Supermärkte täglich und nicht nur zweimal in der Woche frische Waren anbieten.

Ein Problem für den Markt sind die fehlenden Parkplätze, denn der Markt wird nicht nur von Riehlern besucht. Auch fehlen die notwendigen sanitären Einrichtungen für Händler und Besucher.

Einmal pro Monat am Sonntag findet auf dem Riehler Gürtel ein Flohmarkt statt, der ebenfalls über Riehl hinaus beliebt ist und viele Käufer anlockt.


Die Fahne des Kirchenchors von 1926

Cäcilia – Der Kirchenchor von St. Engelbert - 2017-06

Am 7.11.1897 wurde die alte St. Engelbert-Kirche am „Riehler Plätzchen“ geweiht. Zu der Zeit bestand noch kein Kirchenchor der Gemeinde und zur festlichen Ausgestaltung der Kirchweihe wurde der kurz zuvor gegründete Riehler-Männergesangverein um einen Beitrag gebeten. Der Männerchor feierte am 5.12.1897 sein Stiftungsfest in dem Gasthof „Riehler Haus“. Aus ihm ging dann 1901 der Kirchenchor „Cäcilia“ der Gemeinde St. Engelbert hervor.

Die Fahnenweihe für den Kirchenchor „Cäcilia“ war 1926. 1927 trat eine bedeutende Veränderung ein: Erstmalig durften auch Damen bei Aufführungen mitwirken. Aber erst 1962 erhielten sie die gleichen Rechte bei der Gestaltung des Vereinslebens.

Beim Neubau der Kirche 1930 - 1932 erhielt der Kirchenchor eigene Räume zum Proben.

1951 feierte der Chor sein 50-jähriges Bestehen.

1962 verstarb Herr Heinrich Ohrem, der 38 Jahre lang den Chor geleitet hatte, Herr Hansjakob Grewelding übernahm dann die Leitung der Singgemeinschaft.

Zum 90-jährigen Gründungsfest wurde 1991 die Krönungsmesse von Mozart aufgeführt.

Zu seinem 100.Geburtstag führte der Cäcilien-Chor am 25.3.2001 die Johannes-Passion von Georg Friedrich Händel auf.

Heute wird der Chor, der auch gelegentlich unter dem Namen „Kirchenchor an der Flora“ auftritt, durch den Kantor Wolfgang Siegenbrink geleitet.


Fischersiedlung in Riehl

Fischersiedlung - 2017-05

Das Gelände am Kuhweg zwischen der Boltensternstaße und dem Rhein nördlich des Städt. Senioren- und Behindertenzentrums Köln Riehl (Riehler Heimstätten) wurde zu Militärzeiten als Schießstand und als militärisches Übungsgelände genutzt. Nachdem die englischen Besatzungssoldaten 1926 abgezogen waren, lag das Gelände brach. Die ersten Schrebergärten und Wohnhäuser entstanden hier an dem Angler-, Aal-, Schleien-, Karpfen- und Barbenweg. Auch machte Frau Kracht hier ihr Strandcafé auf. Die dort lebenden Bewohner nannten dieses Gebiet „Fischerdorf“.

 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs herrschte in Köln große Wohnungsnot und viele ausgebombte Kölner und Flüchtlinge fanden zwischen der Boltensternstraße und dem Kuhweg ein neues Zuhause. Die Schrebergärten wurden zu Wohnzwecken ausgebaut,  nördlich davon entstand der „Block Boltensternstraße“ als Notunterkunft. Zur besseren Orientierung wurden alle Wege alphabetisch benannt.

Ende der 50er Jahre wurde der seit vielen Jahrzehnten geplante Ausbau des Niehler Hafens neu diskutiert und der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete am 22.8.1961 über den Abriss der Fischersiedlung. In diesem Artikel war zu lesen, wie viele persönliche Härten die Auflösung der Behelfssiedlung nach sich zog, weil die Pächter ihre Gärten, aber auch Wohnhäuser, aufgeben mussten, die sie mit hohem Aufwand errichtet hatten.

Durch diese ehemalige Siedlung führt heute die Zufahrt zur Mülheimer Brücke, der Niehler Gürtel.


Das Kaiserliche Postamt in Riehl

Die Post in Riehl - 2017-04

Drehen wir das Rad der Geschichte 120 Jahre zurück. Wie sah es damals in Riehl aus?

In der „Goldenen Ecke“ lagen der Zoo, die Flora, die Radrennbahn und viele Lokale. Am Wochenende war das die Vergnügungsmeile für die Kölner, die auch gerne mal von ihrem Ausflug eine Postkarte an die Lieben senden wollten.

Die ersten Häuser wurden in dieser Zeit auf der Stammheimer Straße errichtet und die Bewohner mussten ihre postalischen Angelegenheiten regeln. In der Barbarastraße wurden die ersten Kasernen errichtet und die Soldaten wollten gerne mit einer Ansichtskarte den Angehörigen zeigen, wo sie stationiert waren.

Hier beginnt die Geschichte von dem Riehler „Kaiserlichen Postamt“ bis zu heutigen Postagentur. Am 1.12.1893 wurde in der Stammheimer Str. 63 das erste Riehler Postamt eröffnet. Dieses Amt war bald zu klein und die Post errichtete einen Neubau. Das alte Postamt wurde dann als Lokal „Alte Post“ genutzt, bis es im Krieg zerstört wurde. Nach dem Krieg wurde das Haus Stammheimer Str. 63 durch einen Neubau als reines Wohnhaus ersetzt.

Das neue „Kaiserliche Postamt“ wurde in der Stammheimer Str. 115 errichtet und 1910 eröffnet. Diese größeren Räumlichkeiten entsprachen der Zunahme der Bevölkerung und konnten allen anfallenden Aufgaben bis 2007 gerecht werden. Heute befindet sich in diesen Räumen ein Gesundheitszentrum.

Anfang der 1950er Jahre gab es noch das Postamt Riehl 2 in der Eichhornstr. 2/4 (heute Niehler Gebiet).

Am 13.11.2007 wurde das Riehler Postamt 1 aufgelöst und die Aufgaben wurden einer Postagentur übertragen. Leider hat damit die Post die zentrale Lage in der Ortsmitte verloren und die Aufgaben einem Pächter im Riehler Tal 13 übertragen. Am 14. November 2016 erfolgte dann ein erneuter Pächterwechsel. Herr Kamal Popat übernahm nicht nur die Postagentur, sondern verkauft auch – wie sein Vorgänger – Zeitschriften, Büroartikel und Tabakwaren.

 

Auf eine Besonderheit möchte ich noch hinweisen:

Die Zoo-Restauration wurde im September 1939 beschlagnahmt und dort eine Feldpostpäckchenstelle eingerichtet, die bis zur Zerstörung am 29.6.1943 die Päckchen aus der Heimat an die Soldaten an der Front weiterleitete.

Dr. Henner Berzau – der Puutedoktor vun Riehl 2017-3

Am 3.5.1921 wurde Henning (genannt „Henner“) Berzau in Magdeburg geboren.

Nach dem Krieg schloss er sein Medizinstudium in Köln ab, schrieb seine Dissertation und eröffnete in Riehl eine Kinderarztpraxis - zunächst in Räumen am Botanischen Garten 30 und später in der Boltensternstr. 67. Vier Jahrzehnte praktizierte er als „Puutedoktor vun Riehl“ und war damit vielen Generationen bekannt. Teilweise hatte er schon die Mütter als Kleinkinder behandelt. Beliebt war er, weil er seinen kleinen Patienten auf seinem Akkordeon, der Quetsch, Lieder vorspielte, um die Wartezeit zu verkürzen.

1978 entstand sein erstes Lied in kölscher Mundart, das „Jadeleed“. Dem sollten mehr als 250 Lieder auf kölsch folgen. So wurde er als „Doktor mit der Quetsch“ bekannt. Es folgten Auftritte mit der Gruppen „Riehler Jademusikante“, später „Jassemusikante“. Zusammen mit seiner späteren Lebensgefährtin Uschi Werner-Fluss trat er als „Schneewiesje und Ruserut“ auf. Henner Berzau hatte die weißen Haare!

 

Besonders beliebt waren seine Auftritte auf dem Alter Markt mit den kölschen Weihnachtsliedern, die zum großen Teil aus seiner Feder stammten. Trotz seiner fast völligen Erblindung war er bis zu seinem Tod im „Mittwochskreis der Kölner Mundartautoren“ aktiv.

Für seine Bemühungen um die kölsche Sprache erhielt er viele Ehrungen, wie zum Beispiel den Rheinlandtaler.

Am 8.1.2008 verstarb Henner Berzau im Alter von 86 Jahren in Köln.


Flora-Sanatorium Am Botanischen Garten 44


Erinnerungsblatt zur Geburt eines Kindes

Flora-Sanatorium 2017-2

In den 1930er Jahren war Riehl im sozialen Bereich nicht nur durch die Riehler Heimstätten bekannt. Über Riehl hinaus war auch das Flora-Sanatorium als Entbindungsheim bei werdenden Müttern beliebt.

Anfang der 1930er Jahre eröffnete der Frauenarzt Dr. med. Bram Eldering mit seiner Frau Dr. Franziska, geb. Sommer, als Kinderärztin in der Straße Am Botanischen Garten 44 - an der Ecke Sieboldstraße - eine Entbindungsklinik. Das Haus wurde nach 1925 erbaut. Zunächst hatte hier ein Dr. med. Eugen Schürmann praktiziert und ein Sanatorium betrieben. Da Dr. Eldering Niederländer war, musste er vor dem Kauf die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen.

Anlässlich der Geburt eines Kindes stellte die Klinik den Eltern ein kunstvoll gestaltetes Erinnerungsblatt aus, auf dem nicht nur der Name des Kindes genannt wurde, sondern auch eine Außenansicht des Hauses zu sehen war.

Diese Klinik existierte leider nicht lang. Am 17.6.1943 erlitt das Gebäude laut einem Polizeibericht einen Bombentreffer. Wie Karl Peusquens in seinem Buch über Köln Riehl schreibt „wurden 11 Frauen und Säuglinge unter den Trümmern begraben“. Wie die Tochter von Herrn Dr. Bram Eldering berichtet, kam auch ihr Großvater, der Musikprofessor Bram Eldering, bei dem Angriff ums Leben. Er hatte sich im Gürzenich-Orchester als Geiger und Konzertmeister einen Namen gemacht.

Das Gebäude wurde völlig zerstört und nach dem Krieg durch den Neubau eines Wohnhauses ersetzt.

Dr. Bram Eldering praktizierte nach dem Krieg als Frauenarzt in Mülheim an der Düsseldorfer Str. 28. Frau Dr. Franziska Eldering war als Amtsärztin tätig.


Alte Schule Garthestraße

Schule Garthestraße 2017-1

Die Riehler Kinder wurden Mitte des 19. Jahrhunderts nach Einführung der Schulpflicht in Preußen zunächst in Niehl und ab 1850 in Nippes in der Schule Gellertstraße unterrichtet. Den kleinen Kindern war der weite Schulweg nicht zumutbar. So wurden Räume in einer Gaststätte an der Riehler Straße, die später unter dem Namen Monheimer Hof bekannt wurde, zum Schulunterricht genutzt.

In den Jahren 1887 bis 1889 wurde dann die erste Riehler Schule an der Stammheimer Straße errichtet, die bis heute – nach einem Umbau in den 1920ern – besteht und nunmehr durch die Montessorischule genutzt wird.

1902/1903 wurde für die katholischen Kinder in Köln Riehl eine eigene Schule in der heutigen Garthestraße errichtet. Da diese Straße zur Zeit des Baus noch nicht bestand, konnte das Gebäude nur durch einen Weg von der Stammheimer Straße her betreten werden. Die Schule umfasste sechs Klassen, wurde aber bald wegen des Anwachsens der Bevölkerung zu klein. Der Architekt Emil Mewes erhielt den Auftrag, ein neues Schulgebäude zu planen. In den Jahren 1929–1930 wurde dann ein Schulkomplex mit 23 Klassen für 1.174 Schüler gebaut. Das war damals der modernste Schulbau in Köln.

Zwei große Durchfahrten, die durch zwei Plastiken – Kindergruppen aus dem Schulleben darstellend – verziert sind, symbolisierten die Eingänge für die Jungen und die Mädchen. Die Schule wurde im Krieg nicht stark beschädigt, so dass der Schulbetrieb bereits am 23. Juli 1945 wieder aufgenommen werden konnte. Die katholische Volksschule und die Gemeinschaftsschule waren in diesen Räumen beheimatet.

Durch die Schulreform 1968 wurden die neunklassigen Volksschulen aufgelöst. Es verblieben in dem Gebäude die katholische Grundschule, die 2000 in Otfried-Preußler-Schule umbenannt wurde, und die Gemeinschaftsgrundschule.