(Fast) alles über dein Riehl

Charly Pirot – der kölsche van Gogh

Er ist ein kölsches Original und eine markante Persönlichkeit, wenn er – meist mit Ehefrau Ute – durch Riehl wandert. Seit 27 Jahren lebt er hier im Veedel, aber ganz Köln ist seine Kulisse. Der Künstler Charly Pirot ist ein Autodidakt: „Als junger Mann habe ich in der Volkshochschule perspektivisches Zeichnen gelernt. Alles andere habe ich mir selber beigebracht.“ Sein bevorzugtes Thema ist Köln in allen Variationen.

 

Früher malte er vorzugsweise in der Natur, oft im Kölner Norden. Immer mit seinem Mofa mit Anhänger, mit dem er Malutensilien, Thermoskanne und Proviant transportierte. Da passierte es ihm einmal, dass ein vorbeikommender Passant das Werk direkt von der Staffelei runter kaufte. Überhaupt hatte er ein Faible für ungewöhnliche Arbeitsstätten. Auf dem Dach des Colonia-Hochhauses hat er gemalt und vor Jahren stellte er die Staffelei für ein paar Tage im Kaufhof anlässlich des 120. Jubiläum auf und ließ sich bei der Arbeit beobachten. Die Wände im Maria-Juchacz-Altenheim bemalte er zur Freude der Bewohner mit kölschen Motiven und den Kindern der Montessori-Schule Ferdinandstraße zeigte er, wie man Krippenbilder für die Rundschau malt. Er gestaltet für die Altstädter Köln 1922 Karnevalsorden und diverse Plattencover für die Bläck Fööss und Hans Knipp.


Seinen Beinamen „der kölsche van Gogh“ bekam Charly („eigentlich heiße ich Wilhelm, aber alle haben mich immer Charly genannt“) von einer ehemaligen Chefsekretärin des Wochenspiegels verliehen. Die Kraft seiner Farben hat sie an den Maler ohne Ohr erinnert. Auf eine andere Auszeichnung ist der Künstler besonders stolz. „Es gibt mich auch als Hänneschen-Puppe.“ Man hatte ihn in ein Stück, das sich inhaltlich mit dem oben genannten Kaufhof-Jubiläum beschäftigte, eingebaut.

 Charly und Schmitze-Billa

2002 war ein schlimmes Jahr für die Pirots. Der geliebte Hund „Schmitze Billa“ starb im hohen Alter von 14 Jahren. Er wurde eingeäschert und seine Urne steht seither im Wohnzimmer in der Pionierstraße. Das Selbstporträt des „Clownfreaks“, wie er sich selbst bezeichnet, mit Billa ziert auch seine Visitenkarten. In den letzten Jahren folgten weitere Schicksalsschläge. Frau Ute erkrankte schwer und Pirot selber wurde am Herzen operiert. „Das hat mich alles sehr mitgenommen. Ich habe 2010 mein letztes Bild gemalt. Im Moment bringe ich nichts mehr auf die Leinwand. Vielleicht kommt es ja mal wieder, „ sagt der 72-jährige.